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Fairphone 6 im Test

Fairphone 6 im Test: Zwischen Idealismus und Alltag

Mit dem Fairphone 6 hat der Hersteller seine ursprüngliche Idee konsequent weiterentwickelt und dabei gleichzeitig technischen Schwachstellen früherer Modelle behoben. Die sechste Generation ist erneut mehr als nur ein gewöhnliches Smartphone. Über 50 % recycelte oder fair gehandelte Materialien sind enthalten, so viel wie bei keinem anderen Handy.

Dank des modularen Designs und des langen Update-Supports soll das Fairphone 6 mindestens doppelt so lange genutzt werden können wie ein typisches Smartphone. Jede verkaufte Einheit ist zudem offiziell elektronikschrott-neutral, denn der Hersteller recycelt das gleiche Gewicht an Elektroschrott, das einem Handy entspricht.

Um das Ergebnis des Tests vorwegzunehmen: Das Fairphone 6 ist bestens geeignet für Nutzer, die Wert auf Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und eine möglichst faire Produktion legen. Die gebotene Leistung ist alltagstauglich, bricht aber keine Rekorde. Verbesserungen bei Display, Software und Modularität machen sich sehr positiv bemerkbar.

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Das Fairphone 6.

Inhaltsverzeichnis

Fairphone 6 ausgepackt: Papier statt Plastik

Erneut verzichtet Fairphone bei der Verpackung auf Plastik. Das Fairphone 6 ist in FSC-Papier eingewickelt, der Karton kommt ohne Folien oder Kunststoffeinlagen aus. Der Lieferumfang ist minimalistisch. Auf ein Ladegerät und ein USB-C-Kabel wird bewusst verzichtet. Fairphone geht davon aus, dass die meisten Käufer bereits über solche Zubehörteile verfügen. Bei Bedarf können Ladegerät, Kabel oder Zubehörteile wie eine Schutzhülle oder ein USB-C-auf-Klinke-Adapter (für Kopfhörer) separat beim Hersteller erworben werden.

Eine kleine Überraschung beim Unboxing: Fairphone legt dem Fairphone 6 diesmal einen Schraubendreher bei. Das Mini-Werkzeug signalisiert den nach wie vor verfolgten modularen Anspruch. Nutzer sollen von Anfang an in der Lage sein, das Smartphone selbst zu öffnen und einzelne Module wie den Akku oder das Display nach Bedarf auszutauschen.

Beim Herausnehmen des Handys fällt das geringere Gewicht auf. Mit 190 g ist es leichter als das Fairphone 5 (210 g). Trotz seiner soliden Bauweise liegt das Smartphone gut in der Hand und wirkt keineswegs klobig. Die Rückseite besteht aus recyceltem Kunststoff, der Rahmen aus Aluminium (teilweise aus Recyclingquellen und ASI-zertifiziert bezüglich nachhaltiger Förderung).

Nur das Handy, eine Kurzanleitung und ein Schraubendreher.
Das Fairphone 6 ist spürnbar leichter.

120 Hz, OLED: Design und Display des Fairphone 6

Äußerlich bleibt das Fairphone 6 seiner Designlinie treu, wirkt aber an einigen Stellen modernisiert. Auffällig ist, dass das Handy trotz ähnlicher Optik etwas kompakter ausfällt als der Vorgänger: Es ist nicht nur leichter, sondern sogar ein kleines Stück kürzer.

Das liegt am geringfügig kleineren Display (6,31 statt 6,46 Zoll), wodurch sich das Fairphone 6 etwas besser handhaben lässt. Die Abmessungen betragen nun 156,5 × 73,3 × 9,6 mm. Das Handy liegt gut in der Hand und ist auch unterwegs platzsparend.

Die Verarbeitungsqualität und Materialanmutung wirken hochwertig. Die Rückseite fühlt sich robust an, der Aluminiumrahmen wirkt nicht nur auf den ersten Blick stabil. Fairphone bietet das Modell in den drei Farben Horizon Black (Schwarz), Forest Green (Grün) und Cloud White (Weiß) an, die alle einen matten, dezenten Look haben. Eine transparente Rückseiten-Edition wie beim Fairphone 5 ist diesmal nicht verfügbar. Allen Ausführungen gemein ist der gelbe Akzent in Form des neuen Seitenschalters, der als kleiner Farbtupfer sofort ins Auge fällt.

Das OLED-Display kommt auf 6,31 Zoll
Die Bildwiederholrate liegt bei 120 Hz.
Die Rückseite der weißen Edition.

Das Kameramodul auf der Rückseite wurde deutlich überarbeitet. Anstelle des hervorstehenden Kamera-Buckels sitzen die drei Objektive (zwei sichtbare Linsen plus Sensor) nun direkt im flachen Backcover. Dadurch wirkt die Rückseite aufgeräumter und das nervige Wackeln auf dem Tisch, wie es beim Vorgängermodell der Fall war, gehört der Vergangenheit an. Die untere Hälfte der Rückschale ist durch eine feine Trennlinie abgesetzt. Hier verbirgt sich die neue modulare Klappe, die sich mit zwei Schrauben lösen lässt, um optionale Module bzw. Zubehör anzubringen.

Die rückwärtigen Kameras …
… und der USB-C-Anschluss.

Wie üblich gibt es einen USB-C-Port (aber leider nur mit USB 2.0-Speed) und keinen klassischen Kopfhöreranschluss. Auch die physischen Tasten sind auf das Nötigste beschränkt. Es gibt eine Lautstärkewippe und einen Power-Button, in den der Fingerabdrucksensor integriert ist. Gegenüberliegend befindet sich der gelbe Switch-Schieberegler.

Faitphone 6: Display viel besser

Beim Display hat Fairphone gehörig aufgerüstet. Zwar schrumpft die Diagonale minimal, doch dafür punktet der Bildschirm nun mit moderner Technologie. Es handelt sich um ein großes OLED-Panel im 20:9-Format mit einer adaptiven 120-Hz-Bildwiederholrate. Dadurch wirken Scrolling und Animationen viel flüssiger als bei früheren Fairphones. Dank der LTPO-Technik kann die Bildfrequenz je nach Inhalt variieren, was Energie spart, ohne die Nutzungsqualität zu beeinträchtigen. Die Auflösung liegt bei 1.116 x 2.484 Pixeln, die für eine ausreichend scharfe Darstellung (~431 ppi) sorgen.

Die OLED-Technologie sorgt ohnehin für sattere Farben und echte Schwarztöne. In Kombination mit der höheren Bildrate macht Medienkonsum und Surfen auf dem Fairphone 6 richtig Spaß. Zusätzlich sind flimmermindernde Techniken wie DC-Dimming integriert, um die Augen zu schonen und PWM-Flimmern bei niedriger Helligkeit zu reduzieren.

Im Vergleich zum Vorgänger hat sich auch die maximale Helligkeit enorm erhöht. Das Fairphone 6 erreicht bis zu 1.400 Nits Spitzenhelligkeit und ist damit nahezu doppelt so hell wie das Fairphone 5 mit seinen ~800 Nits. In der Praxis ist das Ablesen des Bildschirms selbst bei strahlendem Sonnenschein problemlos möglich. Auch kontrastreiche HDR-Inhalte sehen auf dem Fairphone 6 dank der höheren Leuchtkraft besser aus.

Gorilla Glass 7, IP55-Zertifizierung

Das Display ist mit robustem Gorilla Glass 7 ausgestattet, das für Kratzfestigkeit und Bruchschutz sorgt. Auffällig ist auch die reduzierte Frontkamera-Notch. Wie schon beim Fairphone 5 sitzt die Selfie-Kamera in einem kleinen Punch-Hole im oberen Bildschirmbereich, wodurch der verfügbare Displayraum maximiert wird.

Der Hersteller hat die IP55-Zertifizierung beibehalten, sodass das Smartphone gegen Staub und allseitiges Spritzwasser geschützt ist, aber eben nicht vollständig wasserdicht. Angesichts der modularen Bauweise ist dieser Kompromiss nachvollziehbar. Für den normalen Alltag mit Staub, Schmutz und gelegentlichen Tropfen reicht die Schutzklasse aus.

Insgesamt macht das Fairphone 6 in puncto Design und Display einen viel durchdachteren Eindruck als seine Vorgänger. Es ist sicher kein randloses Luxus-Designerstück, sondern ein funktionales, leicht verspieltes Handy mit cleveren Neuerungen und einem erheblich verbesserten Bildschirm.

Geht in Ordnung: Foto- und Videoqualität des Fairphone

Die Kameras des Fairphone 6 sind teilweise erneuert und umgestaltet. Sie liefert insgesamt mehr als nur akzeptable, aber in dieser Preisklasse auch keine überragenden Ergebnisse. Fairphone verfolgt hier eher einen pragmatischen Ansatz. Anstatt auf Megapixel-Rekorde zu setzen, konzentriert man sich auf gute Sensoren mit verbesserten Funktionen wie Bildstabilisierung und Autofokus. Wunder sind dabei allerdings nicht zu erwarten.

Die Hauptkamera auf der Rückseite bietet weiterhin maximal 50 MP Auflösung und nutzt nun einen Sony-Sensor mit optischer Bildstabilisierung (OIS). Mit dieser Linse lassen sich im Alltag richtig schöne, kontrastreiche Fotos mit lebendigen, natürlichen Farben einfangen. Bei Tageslicht überzeugen die Bilder mit guter Schärfe und Dynamik. Hier hat Fairphone im Vergleich zur Vorgängergeneration nochmals deutlich zugelegt.

Insbesondere der Dynamikumfang und die Bildverarbeitung wirken verbessert, sodass Aufnahmen seltener über- oder unterbelichtet sind. Auch 4K-Videoaufnahmen mit bis zu 30 fps beherrscht die Hauptkamera. Die OIS mindert dabei Verwacklungen und sorgt für ruhigere Clips. Bei abnehmendem Licht liefert die 50-MP-Kamera immer noch ordentliche Ergebnisse. Dank des großen Sensors sind Aufnahmen in der Dämmerung möglich, wenngleich sich dann doch Rauschen und ein gewisser Detailverlust bemerkbar machen. Teure High-End-Konkurrenten mit Nachtmodus und größerer Blende sind weiter klar im Vorteil. Für normale Ansprüche und gelegentliche Schnappschüsse reicht die Leistung jedoch aus.

Diese unbearbeiteten Fotos wurden mit dem Fairphohne 6 aufgenommen, bei unterschiedlichen Tageslichtverhältnissen:

Die zweite Rückkamera ist ein Ultraweitwinkel-Objektiv mit 13 MP Auflösung (Blende f/2,2), das im Vergleich zum 50-MP-Ultraweitwinkel des Fairphone 5 ein nominales Downgrade darstellt. Allerdings hat Fairphone dieser Kamera nun ebenfalls OIS spendiert und sie mit Makro-Funktionalität ausgestattet. Sie lässt sich also auch für Nahaufnahmen verwenden.

Die Qualität der Ultraweitwinkel-Aufnahmen ist bei Tageslicht gut, mit einem leichten Schärfeabfall an den Rändern und etwas weniger Detailtiefe als bei der Hauptkamera (bedingt durch die geringere Auflösung). Farben und Weißabgleich stimmen mit der Hauptkamera überein, sodass ein konsistenter Look zwischen den Linsen entsteht. Bei Innenraumlicht oder Dämmerung stößt der 13-MP-Sensor schneller an seine Grenzen, liefert aber dank OIS immer noch brauchbare Ergebnisse.

Ein Comeback feiert der Time-of-Flight (ToF) Sensor zur Unterstützung des Autofokus und der Tiefenmessung. Dieser war beim Fairphone 4 vorhanden, im Fairphone 5 jedoch nicht mehr. Der ToF-Sensor hilft vor allem bei Porträtfotos und beim schnellen Fokussieren. In unserem Test arbeitete der Autofokus der Hauptkamera tatsächlich flott und zuverlässig, selbst bei schwächerem Licht oder wenig Kontrast im Motiv. Hier zahlt sich die Kombination aus PDAF-Fokus des Sensors und ToF-Unterstützung in der Praxis aus.

Ein paar Außenaufnahmen des Fairphone 6, ebenfalls ohne Bearbeitung direkt von der Kamera genommen:

Für Selfie-Fans gibt es beim Fairphone 6 ebenfalls Änderungen: Die Frontkamera löst nun mit 32 MP auf (statt 50 MP zuvor), verfügt aber im Gegensatz zur alten über einen Autofokus. Die Bildqualität der Selfie-Kamera empfinden wir als durchaus gelungen. Bei gutem Licht entstehen detailreiche, farbtreue Selbstportraits. Videos nimmt die Frontkamera mit maximal 4K (30 fps) auf. Der Hersteller hat außerdem das Mikrofon-Setup optimiert, sodass Tonaufnahmen bei Videos klarer wirken und Umgebungsgeräusche zumindest etwas gefiltert werden.

Insgesamt gilt: Die Kameraqualität des Fairphone 6 ist alltagstauglich und sichtbar verbessert, ohne jedoch zur Spitze in dieser Preisklasse aufzuschließen. Schnappschüsse gelingen problemlos, wer jedoch sehr hohe fotografische Ansprüche hat, bemerkt die Unterschiede zu Kamera-Flaggschiffen. Bei Nacht und bei Zoom (einen Telefoto-Zoom hat das FP6 nicht) zieht das Fairphone auch in der sechsten Generation den Kürzeren.

Fairphone 6: Akku, Leistung und Speicher

Fairphone stattet das neue Modell mit einem größeren und fairer produzierten Akku sowie einer neuen Hardwareplattform aus. Herzstück ist der Prozessor Snapdragon 7s Gen 3 von Qualcomm, der dem Fairphone 6 gegenüber dem Vorgänger einen spürbaren Leistungsschub verleiht. In der Praxis läuft das Fairphone 6 damit angenehm flott. Apps starten zügig, das System reagiert flüssig und auch Multitasking bereitet dank 8 GB RAM keine Mühe. Im Vergleich zum Fairphone 5 sind Performancesprünge spürbar, etwa beim Laden komplexer Webseiten oder in aufwändigeren Apps.

Selbst aktuelle Games laufen ziemlich gut, sofern die Detailstufen etwas nach unten anpasst sind. Anspruchsvolle 3D-Spiele sind in der Regel in mittlerer Qualität spielbar. Positiv ist auch die konstante Performance unter Dauerlast. Zwar fühlt sich das Gerät warm an, aber eben nicht heiß.

256 GB erweiterbarer Speicher

Von den 256 GB interner Speicher (UFS 3.1) stehen ab Werk 204 GB frei zur Verfügung, was reichlich Platz für Apps, Fotos und Videos bietet. Wer mehr benötigt, kann einfach eine microSD-Karte einsetzen und den Speicherso um bis zu 2 TB erweitern. Das ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr, da viele Hersteller den SD-Slot schon vor Jahren gestrichen haben.

Auch bei Verwendung von zwei SIM-Karten bleibt der microSD-Slot trotzdem erhalten, denn Fairphone setzt auf einen physischen Nano-SIM-Schacht und eine eSIM (rein digital). So können Nutzer z.B. eine private und berufliche Nummer kombinieren oder auf Reisen eine lokale eSIM nutzen, um Geld zu sparen.

Die Kapazität des Akku ist moderat erhöht auf 4.415 mAh (vorher 4.200 mAh). In Verbindung mit dem effizienteren Prozessor und dem adaptiven Display ergibt sich eine sehr ordentliche Laufzeit. In unserem Alltags-Test schaffte das Fairphone 6 zwei Tage ohne Steckdose, bei intensiver Nutzung (viel Bildschirmzeit, Video-Streaming, Navigation) musste es hingegen am Abend eines vollen Tages wieder ans Netz. Unterm Strich hat sich die Ausdauer gegenüber dem Fairphone 5 verbessert. Der Akku setzt erneut auf fair gehandelte Materialien. So stammen Kobalt und Lithium aus Fair-Trade-Projekten, Gold und Kupfer im Akku sind zu 100 % recycelt oder fair beschafft.

Beim Laden gibt es leider keine Verbesserung. Das Fairphone 6 unterstützt weiterhin 30 Watt als Schnellladen über USB-C. In etwa 25 Minuten ist der leere Akku wieder rund zur Hälfte gefüllt, eine komplette Ladung dauert ungefähr 90 Minuten, abhängig vom Ladegerät. Kabelloses Laden (Qi) ist nach wie vor nicht unterstützt, was dem modularen Design geschuldet ist.

Zwei Schrauben werden gelöst.
Ein Blick in das Innere.
Vier weitere Schrauben lösen.
Der entfernte Akku (rechts).

5G, Wi-Fi 6E, Bluetooth 5.4, NFC

Schnelles 5G für mobile Verbindungen ist mit an Bord, ebenso wie Wi-Fi 6E für flottes WLAN im 6 GHz-Band. Bluetooth liegt in Version 5.4 vor und unterstützt sämtliche gängigen Audio-Codecs (SBC, AAC, aptX, aptX HD, aptX Adaptive), sodass sich Kopfhörer in bestmöglicher Qualität ansteuern lassen. NFC ist ebenfalls vorhanden, kontaktloses Bezahlen mit Google Pay oder das Auslesen von NFC-Tags funktioniert problemlos.

Das Fairphone 6 besitzt erneut Stereo-Lautsprecher. Der Klang ist für ein Smartphone dieser Klasse laut und klar. Höhen neigen bei maximaler Lautstärke etwas zum Schrillen, aber für Videos oder Musik zwischendurch reicht es aus. Auszeichnungen gewinnen die beiden Lautsprecher aber sicher nicht.

In Sachen Akku, Leistung und Speicher liefert das Fairphone 6 ein passendes Gesamtpaket. Die Performance ist im Alltag richtig gut und lässt kaum Wünsche offen, die Akkulaufzeit ist besser als vorher. Power-User oder Mobile-Gamer werden aber merken, dass es nur ein Snapdragon 7s und keine Top-Chip ist. Für den Durchschnittsnutzer jedoch ist alles Wichtige an Bord.

Der vielleicht größte Trumpf des Fairphone 6 ist die hervorragende Reparierbarkeit dank modularer Bauweise. Der Hersteller hat dieses Konzept nochmals ausgebaut: Das neue Handy besteht nun aus zwölf einzeln austauschbaren Modulen (statt zehn beim Fairphone 5). Dazu zählen unter anderem das Display, der Akku, die Rückkamera-Einheit, die Frontkamera, der Lautsprecher und der USB-C-Port und weitere Komponenten.

Jedes dieser Teile können Besitzer bei Bedarf selbst ersetzen. Alles, was sie dafür benötigen, ist ein einfacher Kreuzschlitz-Schraubendreher. Bereits im Auslieferungszustand zeigt sich die Modularität: Die Rückabdeckung des Fairphone 6 besteht aus zwei Segmenten, wobei das untere Segment mit zwei leicht zugänglichen Schrauben fixiert ist. Löst man diese, lässt sich das untere Rückseiten-Modul abnehmen. Darunter findet man den Steckplatz für die erweiterbaren Module, zu denen Fairphone zum Marktstart neue Zubehör-Optionen anbietet.

Hier kommt der Begriff „swappable accessories“ ins Spiel: Fairphone verkauft z.B. eine Kartenhalterung (Wallet-Modul) und eine Trageschlaufe (Lanyard) als Zubehör, die sich anstelle des Standard-Abdeckungsstücks anbringen lassen. So kann man das Handy einfach personalisieren, etwa mit einem Fach für Kreditkarten auf der Rückseite oder einem Umhängeband, um das Gerät sicher um den Hals zu tragen. Die Idee erinnert etwas an die modulare Erweiterbarkeit, die es z.B. beim Handy Nothing Phone 2 Pro gibt.

Einfache Reparatur und Wartung

Die Kernidee der Modularität bleibt indes die einfache Reparatur und Wartung des Smartphones. Die Experten von iFixit belohnen das Fairphone 6 wieder mit der Bestnote 10/10 in Sachen Reparierbarkeit, ein bisher konkurrenzloser Wert in der Branche. Nichts im Inneren ist unnötig verklebt, sondern mit Schrauben befestigt. Fairphone stellt ausführliche Anleitungen bereit, sodass selbst Laien Schritt für Schritt Komponenten tauschen können. Der Akku kann beispielsweise nach dem Öffnen der Rückabdeckung mit wenigen Handgriffen entnommen werden.

Auch das Display-Modul lässt sich austauschen, indem zunächst die Rückschale und einige weitere Schrauben gelöst werden. Dank Farbmarkierungen und standardisierter Schrauben ist das Prozedere unkompliziert. Laut Fairphone benötigt ein geübter Nutzer nur etwa 5 Minuten, um das Display zu wechseln, und rund 3 Minuten für einen Akkutausch.

Support bis 2033: Software und Garantie des Fairphone 6

Fairphone gibt ein beeindruckendes Versprechen ab: Acht Jahre Software-Support für das Fairphone 6 inklusive mindestens sieben großer Android-Updates. Das Handy startet also mit Android 15 und soll Updates bis Android 22 (oder sogar darüber hinaus) erhalten. In diesem Zeitraum gibt es außerdem regelmäßig Sicherheitsupdates, so der Hersteller. Ein Support-Zeitraum bis 2033 ist außergewöhnlich. Google oder Samsung bieten bei ihren Topmodellen fünf Jahre Updates.

Die Software des Fairphone 6 ist, wie schon bei den Vorgängermodellen, sehr nah an Stock-Android gehalten. Das ist ein Segen für alle, die keine überladene Herstelleroberfläche mögen. Bereits beim ersten Einrichten fällt positiv auf, dass im Grunde keine Bloatware vorinstalliert ist. Neben den üblichen Google-Apps (Play Store, Gmail, Maps etc.) ist lediglich die Fairphone-App vorhanden, die Tipps zur Nachhaltigkeit und Support-Optionen bündelt. Sonst hält sich der Hersteller vorbildlich zurück.

Die Oberfläche wirkt aufgeräumt, schnell und schlicht. Nichts ruckelt. Fairphone setzt auf eigene dezente Akzentfarben, die zum Gerät passen (beispielsweise grüntönige Wallpaper beim grünen Modell), und rundet so das Software-Design minimal ab, ohne von Googles Material-You-Konzept abzuweichen. Ein Dark Mode steht ebenfalls zur Verfügung.

Der Homescreen.
Vorinstallierte Apps.
Google Maps.
Erweiterbarer Speicherplatz.

In unserem Test lief das Fairphone 6 zuverlässig und flüssig. Die Software fühlte sich schlank und effizient an. Die Integration ins Google-Ökosystem ist nahtlos, gleichzeitig hat man aber die Option, komplett darauf zu verzichten. Kleine Extras wie der Moments-Modus runden das Paket ab, stellen aber eher einen kleinen Zusatz dar, um softwareseitig auch etwas Eigenes bieten zu können.

Eine Neuerung sind die „Fairphone Moments“. Dabei handelt es sich um einen ablenkungsfreien Modus, der das Smartphone auf ein Minimum an Funktionen reduziert, um eine digitale Auszeit zu ermöglichen. Nur vorher ausgewählte, essenzielle Apps und Benachrichtigungen sind zugelassen, während alles andere ausgeblendet ist. Der Homescreen verwandelt sich in eine minimalistische Oberfläche mit nur den freigegebenen Anwendungen.

Auf Wunsch kann das Fairphone 6 auch mit einem Google-freien Android (/e/OS) laufen. Hierzu arbeitet das Unternehmen mit der /e/ Foundation (Murena) zusammen und bietet sogar eine eigene Variante des Handys mit vorinstalliertem /e/OS im eigenen Shop an. Diese „deGoogled“-Version legt den Fokus auf Datenschutz und Open-Source-Apps. Alternativ lässt sich auch ein reguläres Fairphone erwerben und das alternative Betriebssystem selbst flashen.

Handy mit 5 Jahren Garantie

Zudem gibt es 5 Jahre Herstellergarantie auf das Fairphone 6, was weit mehr ist als branchenüblich (die meisten Hersteller geben 2 Jahre). Sollte beispielsweise nach vier Jahren der Akku unerwartet den Geist aufgeben oder ein Defekt auftreten, ist Fairphone zur Reparatur verpflichtet, was zusätzlichen Schutz bietet. Selbstverschuldete Schäden wie Displaybruch sind natürlich nicht abgedeckt, aber dank der günstigen Ersatzteile können solche Fälle gut selbst behoben werden.

Wer also ein Smartphone sucht, das nicht nach wenigen Jahren im Software-Nirwana landet, sondern langfristig sicher und aktuell bleibt, findet hier ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Das Zusammenspiel aus Android 15, der optionalen /e/OS-Variante und der fairen Garantiepolitik macht das Fairphone 6 in puncto Betriebssystem und Updates zu etwas Besonderem in der Smartphone-Landschaft. In den kommenden Jahren muss der Hersteller aber auch liefern, statt nur zu versprechen.

Fazit zum Fairphone 6: Lohnt sich das Handy?

Ja – das Fairphone 6 lohnt sich. Nutzer müssen jedoch eine leicht reduzierte Spitzenleistung zugunsten von mehr Nachhaltigkeit und Modularität in Kauf nehmen. Wenn ein möglichst umweltfreundliches, ethisch produziertes und zukunftssicheres Smartphone gewünscht ist, gibt es aktuell kaum eine Alternative zum Fairphone 6.

Die Performance reicht für alle gängigen Apps locker aus, das schicke OLED-Display mit 120 Hz Bildwiederholrate ist eine Freude fürs Auge und die Akkulaufzeit ist deutlich besser als beim Vorgängermodell. Man erhält ein modernes, zuverlässiges Smartphone mit guter Kamera, das Spaß macht und gleichzeitig für ein gutes Gewissen sorgt.

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