Zwei Modelle, ein Konzept: Sowohl das Fairphone 6* als auch sein direkter Vorgänger verfolgen die Idee eines modularen, reparierbaren und nachhaltig produzierten Smartphones. Doch was genau hat sich zwischen den Generationen verändert?
Der folgende Vergleich zeigt, worin sich das Fairphone 6 (Test) und das Fairphone 5 (Test) technisch, konstruktiv und konzeptionell unterscheiden – und für wen welches Modell die bessere Wahl darstellt.
Gehäuse und Design im Vergleich
Beim äußeren Aufbau sind die Unterschiede klar zu erkennen. Das Fairphone 5 setzt auf ein Gehäuse mit leicht abgerundeten Kanten und eine komplett abnehmbare Rückseite, die sich werkzeuglos lösen lässt. Das erleichtert den schnellen Akkutausch, bringt aber Einschränkungen bei der Stabilität mit sich. Beim Fairphone 6 hat sich das Design deutlich verändert. Die Rückseite ist zweiteilig aufgebaut, der untere Bereich lässt sich per Schraube abnehmen. Dadurch sitzt die Abdeckung fester, was sich positiv auf die Verwindungssteifigkeit und den Schutz vor Feuchtigkeit auswirkt.
Beide Modelle erfüllen IP55, sind also gegen Spritzwasser geschützt. Das Fairphone 6 bietet zusätzlich eine solide Verschraubung aller Module und eine neue Gehäusegeometrie mit flachen Kanten, was es im Handling kompakter wirken lässt. In der Praxis fällt das Fairphone 6 mit 193 g auch etwas leichter aus als sein Vorgänger, der 212 g wiegt.
Das Fairphone 6:

Display: LTPO-Technik für bessere Effizienz
Das Fairphone 5 nutzt ein 6,46 Zoll großes OLED-Panel mit 90 Hz Bildwiederholrate. Farben und Kontrast liegen auf einem ordentlichen Niveau, die Helligkeit reicht für typische Alltagssituationen aus. Im Fairphone 6 kommt ein neues 6,31 Zoll OLED-Display mit LTPO-Technologie zum Einsatz. Die adaptive Bildfrequenz von 10 bis 120 Hz passt sich dynamisch an die Nutzung an, was die Energieeffizienz steigert. Auch die Spitzenhelligkeit wurde verbessert, sodass Inhalte bei starkem Sonnenlicht besser lesbar bleiben.
Obwohl das Display des Fairphone 6 minimal kleiner ist, wirkt es durch die schmaleren Ränder moderner. Gorilla Glass 7i sorgt zusätzlich für besseren Schutz gegen Kratzer und Bruch.
Leistung und Chipsatz
Im Fairphone 5 arbeitet ein Qualcomm QCM6490, ein langlebiger Industrie-SoC mit vergleichbarer Leistung zum Snapdragon 778G. Der Chip wurde nicht für maximale Performance entwickelt, sondern für langfristige Verfügbarkeit. Unterstützt wird er von 8 GB RAM. Das Fairphone 6 nutzt den Snapdragon 7s Gen 3 – ein Mittelklasse-Chip der neuesten Generation. Auch hier stehen 8 GB LPDDR5 RAM zur Verfügung.
Leistungstechnisch liegen beide Prozessoren auf ähnlichem Niveau. Der neue Chip des Fairphone 6 ist etwas effizienter und profitiert von einer moderneren Architektur. Im Alltag sind keine gravierenden Unterschiede feststellbar, bei energieintensiven Anwendungen zeigt sich jedoch ein kleiner Vorsprung für das aktuelle Modell.
Kamera: andere Sensoren, ähnliche Ergebnisse
Das Fairphone 5 bietet drei Kamerasensoren mit jeweils 50 Megapixeln – Hauptkamera, Ultraweitwinkel und Selfie-Kamera. Alle drei Module liefern solide Ergebnisse in ihrer jeweiligen Disziplin, die Kamera-App bietet gängige Funktionen wie HDR, Nachtmodus und Pro-Einstellungen.
Beim Fairphone 6 wurde ein anderer Weg gewählt. Die Hauptkamera nutzt ebenfalls 50 Megapixel, jedoch mit einem neuen Sony-Sensor (Lytia 700C) und optischer Bildstabilisierung. Die Ultraweitwinkelkamera wurde auf 13 Megapixel reduziert, bietet aber Autofokus und eine Makrofunktion. Die Selfie-Kamera bringt 32 Megapixel mit Autofokus.
Kameras des Fairphone 6:

Trotz geringerer Auflösung liefern die neuen Sensoren des Fairphone 6 in der Praxis vergleichbare Ergebnisse – teils mit besserer Dynamik und Schärfe bei schwierigen Lichtverhältnissen. Der ToF-Sensor zur Tiefenerfassung ist beim neuen Modell ebenfalls hinzugekommen.
Akku, Ladeverhalten und Energieeffizienz
Der Akku des Fairphone 5 fasst 4.200 mAh und lässt sich werkzeuglos entnehmen. Die Ladeleistung liegt bei 30 W. Das Fairphone 6 erhöht die Kapazität auf 4.415 mAh, erfordert jedoch das Lösen zweier Schrauben zum Akkutausch. Beide Geräte unterstützen schnelles Laden per USB-PD, erreichen 50 % Kapazität in rund 25 Minuten und sind nach etwa 90 Minuten vollständig geladen.
Durch die LTPO-Technologie im Display und den effizienteren SoC verbraucht das Fairphone 6 etwas weniger Strom im Leerlauf oder bei geringer Belastung. Die Laufzeiten beider Geräte liegen im Alltag auf ähnlichem Niveau.
Modularität und Reparatur
Sowohl das Fairphone 5 als auch das Fairphone 6 verfolgen ein modulares Design. Das ältere Modell erlaubt den Tausch von zehn Komponenten, das neue Gerät geht mit zwölf Modulen noch einen Schritt weiter. Zusätzlich bietet das Fairphone 6 ein Zubehörsystem, das am unteren Gehäuseteil verschraubt wird – darunter Kartenhalter, Trageband oder Fingerschlaufe.
Die Befestigung über Schrauben anstelle von Kunststoffclips sorgt beim Fairphone 6 für mehr Stabilität, erschwert aber minimale Reparaturen leicht. Dafür sitzen die Module sicherer. In beiden Fällen sind sämtliche Ersatzteile direkt über den Hersteller erhältlich, ausführliche Reparaturanleitungen stehen online bereit.

Softwarepflege und Updates
Beide Modelle erhalten acht Jahre Softwarepflege. Das Fairphone 5 startete mit Android 13 und wird voraussichtlich bis Android 21 versorgt. Das Fairphone 6 startet mit Android 15 und wird bis Android 22 Updates erhalten. Sicherheitsupdates und Funktions-Updates erfolgen regelmäßig und in Abstimmung mit den Chip-Herstellern.
Fairphone bietet beide Modelle in einer Standardversion mit Google-Diensten sowie optional mit dem alternativen Betriebssystem /e/OS an. Diese Variante ist frei von Google-Software und richtet sich an Nutzerinnen und Nutzer mit hohen Datenschutzanforderungen.
Nachhaltigkeit im Detail
Bei der Materialzusammensetzung unterscheiden sich die Geräte nur leicht. Beide verwenden recycelte Metalle, fair gehandelte Rohstoffe und verzichten auf problematische Lieferanten. Der Anteil an nachhaltigen Materialien liegt beim Fairphone 6 bei über 50 % des Gerätegewichts – eine leichte Steigerung gegenüber dem Fairphone 5. In beiden Fällen gleicht der Hersteller die Materialbilanz durch Elektroschrott-Recycling aus.
Die CO₂-Bilanz verbessert sich mit jeder zusätzlichen Nutzungswoche. Fairphone gibt an, dass sich die Emissionen pro Jahr um rund 30 % senken lassen, wenn ein Gerät fünf statt nur drei Jahre genutzt wird. Das Fairphone 6 profitiert dabei von der verbesserten Energieeffizienz, die durch das LTPO-Display und den neuen SoC erreicht wird.
Evolution statt Revolution
Im direkten Vergleich zeigt sich das Fairphone 6* als konsequente Weiterentwicklung seines Vorgängers. Das neue Display ist effizienter, das Zubehörsystem flexibler, und die Modularität wurde ausgebaut. Gleichzeitig bleiben viele Grundwerte erhalten – etwa die lange Update-Garantie, der einfache Zugriff auf Ersatzteile und die nachhaltige Produktion.
Für Nutzerinnen und Nutzer eines Fairphone 5* besteht kein zwingender Upgrade-Grund. Die Unterschiede betreffen überwiegend Detailverbesserungen. Wer jedoch von einem älteren Gerät wechselt oder das erste Mal zu einem Fairphone greift, erhält mit dem Fairphone 6 ein ausgereiftes, langfristig nutzbares Smartphone mit ungewöhnlich hoher Reparierbarkeit – und klar definierten Umweltzielen.
