Shiftphone 8 im Test
Für wen lohnt sich das modulare Handy aus Deutschland? Wir schauen uns das neue Shiftphone 8 im Test genau an.

Shiftphone 8 im Test: Nachhaltiges Handy aus Deutschland
Mit einiger Verspätung ist das neue Shiftphone 8 verfügbar. Das besondere Smartphone kombiniert relativ zeitgemäße Technik mit hohen Ethik- und Umweltstandards. Schon vor dem Marktstart wurde es mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2025 ausgezeichnet.
Im Test nehmen wir das Shiftphone 8 genau unter die Lupe: Was bietet es in Sachen Ausstattung, Kamera, Akku, Software und Reparierbarkeit? Und mindestens ebenso wichtig: Lohnt sich der Kauf dieses fairer produzierten 5G-Smartphones?
(Nicht wundern: Offiziell heißt das Handy Shiftphone 8.1. Die Bezeichnung 8.1 ergibt sich aus einer notwendigen Hardware-Überarbeitung nach einer ersten Kleinserie 8.0, damit das Handy auch den Mobilfunkstandard 2G versteht.)
Schon mal vorab: Das Shiftphone 8 steht ab sofort beim Hersteller bereit. Angeboten sind Versionen mit 256 oder 512 GB Speicher für 617 bzw. 673 Euro (jeweils inkl. 22 Euro Gerätepfand). Damit ist es preislich etwas höher angesiedelt als das neue Fairphone 6 (Test). Dafür gibt es beim Shiftphone 8 mehr Speicher, eine stärkere IP66-Zertifizierung und zahlreiche Dreingaben direkt mitgeliefert. Alle Details dazu im folgenden ausführlichen Testbericht.
Inhaltsverzeichnis
Viel Zubehör: Unboxing des Shiftphone 8
Schon beim Auspacken zeigt sich der besondere Ansatz von Shift. Das Shiftphone 8 kommt in einer umweltfreundlichen Verpackung ohne Kunststoff an. Der Lieferumfang ist ziemlich großzügig. Enthalten sind ein montierter oder beigelegter Displayschutz aus Glas, ein passgenauer Bumper (Schutzhülle) in Schwarz, ein Schraubendreher, eine eSIM-Card sowie ein USB-C-Kabel mit USB-A-Adapter. Auch 12 Reinigungstücher von iSaver liegen bei uns noch mit im Paket.
Ein Netzteil sucht man hingegen vergeblich, denn Shift geht davon aus, dass viele bereits ein Ladegerät besitzen. Sollte doch Bedarf bestehen, bietet der Hersteller separat ein eigenes Ladegerät („Shiftcharger“) an. Der Ansatz ist nachhaltig zu verstehen: weniger Elektronikschrott durch unnötige Zweit-Ladegeräte.
Eine weitere Besonderheit ist das Gerätepfand von 22 Euro, das im Kaufpreis enthalten ist. Man erhält ein Pfand-Zertifikat und kann am Ende der Nutzungszeit das alte Gerät an Shift zurückgeben, um das Pfand erstattet zu bekommen. Dieses Pfandsystem soll Anreize schaffen, ausrangierte Smartphones dem Recycling zuzuführen, statt sie in der Schublade verstauben zu lassen. In Kooperation mit Closing the Loop sorgt Shift sogar dafür, dass pro verkauftem Shiftphone 8 ein Altgerät aus dem globalen Süden eingesammelt und fachgerecht recycelt wird.
Positiv fällt beim Unboxing auf, dass Shift dem Kunden direkt viel mitgibt: Die schützende Hülle und ein Panzerglas-Displayschutz liegen bei, anders als bei vielen anderen Smartphone-Herstellern. Der ebenfalls enthaltene Schraubendreher unterstreicht nochmal den modularen Anspruch des Handys (dazu später mehr) und lädt geradezu dazu ein, selbst Hand an das Gerät zu legen. Man merkt, dass Shift seine Community einbezieht und Wert darauf legt, dass das Shiftphone 8 langfristig genutzt und gepflegt werden kann.
Design, Display und Anschlüsse des Shiftphone 8
Äußerlich präsentiert sich das Handy in einem schlichten, matten Polycarbonat-Gehäuse, das laut Hersteller vollständig recyclebar ist. Mit Abmessungen von 164,2 × 78,7 × 9,8 mm und knapp 210 Gramm Gewicht gehört es zwar nicht zu den zierlichsten Smartphones, liegt aber dank abgerundeter Ecken und griffiger Hülle dennoch gut in der Hand. Die etwas größere Bautiefe ist dem modularen Konzept und dem größeren Akku geschuldet. Das ist ein notwendiger Kompromiss, um einfache Reparierbarkeit und den schnellen Akkutausch überhaupt erst zu ermöglichen. Dafür fühlt sich das Shiftphone 8 äußerst solide an. Nichts knarzt, und durch den mitgelieferten Bumper werden Stürze effektiv abgefedert.
Richtrig nützlich ist die neue IP66-Zertifizierung des Smartphones. Modularität und Wasserschutz galten lange als Widerspruch, doch das Shiftphone 8 beweist in gewissem Sinne das Gegenteil: Das Shift-Handy ist staubdicht und gegen starkes Strahlwasser geschützt (IP66). Regen, Duschen oder staubige Umgebungen übersteht es demnach klaglos. Das ist ein echtes ein Novum, denn kein anderes Smartphone kombiniert einen so hohen Schutzgrad mit modularer Bauweise und einfacher Reparierbarkeit. Unterauchen sollte man das Smartphone zwar nicht (IP66 ist formal nicht dafür ausgelegt), doch im Alltag braucht man sich um Wasserspritzer keine Sorgen mehr zu machen.
Sichtbare Schrauben an der Rückseite gibt es dabei keine, wodurch das Shiftphone 8 äußerlich kaum von üblichen Smartphones zu unterscheiden ist – mal abgesehen vom Shift-Logo und einer aufgedruckten Warnung („Smartphones can be time killers…“).
An der Vorderseite dominiert das große 6,67-Zoll-Display im 20:9-Format. Es handelt sich um ein schickes AMOLED-Panel mit Full-HD+-Auflösung von 2400 × 1080 Pixeln, das durch Gorilla Glass vor Beschädigungen geschützt ist. Schon das Vorgängermodell Shift 6mq setzte auf OLED-Technik. Auch beim Shiftphone 8 überzeugt der Bildschirm auf Anhieb. Farben werden brillant und mit sattem Kontrast dargestellt, Schwarz ist tiefschwarz.
Die Helligkeit reicht aus, um auch im Sonnenlicht noch alles gut abzulesen. Im Test blieben Inhalte selbst draußen bei hellem Sommerhimmel erkennbar. Zudem sind Blickwinkelstabilität und Farbdarstellung tadellos. Wir konnten weder Farbstich noch nennenswertes Nachleuchten feststellen. Shift hat beim Display so gut wie alles richtig gemacht.
Schnelle Bildbewegungen, etwa beim Scrollen oder in Videos, sind durch die Bildwiederholrate von 120 Hz angenehm geschmeidig. Bei Bedarf kann sie aber auch auf 90 oder 60 Hz heruntergesetzt werden, was Animationen weniger flüssig macht, aber dafür auch weniger Energie verbraucht.
Am oberen Displayrand sitzt eine unauffällige 32-MP-Frontkamera in einem kleinen Punch-Hole. Der Rahmen um den Bildschirm ist etwas breiter als bei Mainstream-Flaggschiffen, stört aber nicht weiter. Neu ist der Fingerabdrucksensor im Display: Statt wie beim Shift6mq auf der Rückseite, lässt sich das Shiftphone 8 nun frontal per Fingerabdruck entsperren. Im Test klappte das nach kurzer Einrichtung schnell und zuverlässig. Alternativ stehen PIN, Muster oder Passwort sowie Face-Unlock zur Verfügung. Letzteres nutzt die Frontkamera und ist weniger sicher, aber bequem.
Die Knöpfe und Anschlüsse sind klassisch angeordnet. Rechts am Rahmen liegen der Power-Button und die Lautstärkewippe. Links befindet sich – neu beim Shiftphone 8 – ein frei belegbarer Custom-Knopf. Über die Einstellungen kann man diesem Button eine Wunschfunktion zuweisen, z.B. die Taschenlampe, den Kameraauslöser oder eine beliebige App, was im Alltag sehr praktisch ist. Ebenfalls neu sind Hardware-Kill-Switches für Kamera(s) und Mikrofon. Diese physischen Schalter erlauben es, die Kameramodule sowie das Mikro komplett vom Strom zu trennen – ein Plus für Privatsphäre-Enthusiasten, die sicherstellen wollen, dass keine App unbemerkt mithört oder mitsieht.
Nicht mehr mit an Bord ist hingegen ein separater 3,5 mm Kopfhöreranschluss. Hier folgt Shift leider dem Branchentrend. Kabelgebundene Kopfhörer lassen sich nur noch via USB-C-Buchse oder einem USB-C-auf-Klinke-Adapter anschließen. Immerhin unterstützt das Shiftphone 8 Bluetooth 5.2 für kabelloses Audio, sodass aktuelle Bluetooth-Kopfhörer effizient und in guter Qualität verbunden werden können.
Die USB-C-Schnittstelle arbeitet nun mit USB 3.1-Standard, was gegenüber dem Vorgänger (USB 2.0) einen deutlich schnelleren Datentransfer ermöglicht. Das ist praktisch beim Übertragen großer Dateien oder beim Einsatz als Datenstick. NFC zum kontaktlosen Bezahlen, GPS für Navigation und sogar FM-Radio sind ebenfalls mit dabei.
Insgesamt ist das Shiftphone 8 modern ausgestattet, dabei robust und funktional gestaltet, ganz im Sinne eines langlebigen Alltagsbegleiters.
Foto- und Videoqualität des Shiftphone 8
Bei der Kamera setzt Shift erstmals auf ein Dual-Kamera-System mit zwei gleichwertigen Sensoren. Sowohl die Haupt- als auch die Ultraweitwinkel-Kamera verwenden den Sensor Sony IMX766 mit 50 Megapixeln maximaler Auflösung. Diese Sensoren gehören zur Oberklasse und versprechen dank relativ großer Sensorfläche eine gute Lichtausbeute.
Im Shiftphone 8 kommt standardmäßig ein Pixel-Binning-Verfahren (4-in-1) zum Einsatz, wodurch die effektive Fotoauflösung bei ca. 12,5 MP liegt. Durch das Zusammenfassen von vier Pixeln zu einem werden insbesondere Low-Light-Aufnahmen heller, mit weniger Bildrauschen und geringerer Bewegungsunschärfe. Bei Bedarf kann man aber auch die volle 50 MP Auflösung nutzen, um z.B. mehr Details für nachträgliche Zuschnitte einzufangen.
Auf dem Papier klingt die Kameraausstattung hervorragend: Zwei 50-MP-Kameras (Weitwinkel und Ultraweit) bieten viel Flexibilität. Im Test zeigten sich tatsächlich sehr brauchbare Ergebnisse bei guten Lichtverhältnissen. Tageslicht-Aufnahmen im Automatikmodus überzeugen mit natürlichen Farben und vielen Details. Besonders die Ultraweitwinkel-Kamera profitiert davon, dass kein zweitrangiger Sensor verbaut wurde. Landschaftsaufnahmen oder Gruppenfotos mit dem weiten Blickfeld (etwa 120°) geraten scharf und qualitativ nahezu auf dem Niveau der Hauptkamera.
Beim Shiftphone 8 lassen sich beide Rückkameras kombinieren, um etwa stufenlos zu zoomen oder Bokeh-Effekte zu erzielen. Ein optischer Zoom ist zwar mangels Telelinse nicht vorhanden, aber bis ca. 2-3× Vergrößerung liefert der 50-MP-Sensor durch Digitalzoom noch ansprechende Resultate. Im Test blieben Farben und Details selbst bei moderatem Zoom realistisch und Aufnahmen verwackelten dank der internen Software-Stabilisierung kaum. Hier macht sich die hohe Auflösung positiv bemerkbar.
Hier ein paar unveränderte Innenaufnahmen, mit dem Shiftphone 8 aufgenommen:
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Bei schwierigen Lichtverhältnissen (Dämmerung, Indoor-Kunstlicht) gerät die Kamera ins Straucheln – ein bekanntes Problem, das auch andere nachhaltige Konkurrenzmodelle wie Fairphone nicht völlig gelöst haben. Ohne optische Bildstabilisierung (OIS) muss das Shiftphone 8 allein mit seinem digitalen Bildstabilisator auskommen. Dieser arbeitet zwar zuverlässig bei Video und Tagsüber, stößt aber in Low-Light an Grenzen. Bei Aufnahmen in der Dämmerung oder dunklen Innenräumen steigt das Bildrauschen sichtbar an, feine Details gehen verloren und bewegte Motive erscheinen mitunter unscharf.
Der dedizierte Nachtmodus des Shiftphone 8 kann hier etwas Abhilfe schaffen. Er nimmt mehrere Bilder in Folge und verrechnet sie zu einem aufgehellten Ergebnis. Statik vorausgesetzt, lassen sich so z.B. Stadtaufnahmen bei Nacht durchaus ansehnlich festhalten. Bei Motiven in Bewegung (etwa Menschen, Tiere) hilft jedoch auch der Nachtmodus nur begrenzt, da ohne OIS längere Belichtungszeiten schnell zu Verwackeln führen. Insgesamt erreicht das Shiftphone 8 bei schlechtem Licht ein ähnliches Niveau wie das Fairphone 5. Das ist ordentlich, aber nicht auf dem Level echter Kamera-Flaggschiffe. Dennoch ist eine Verbesserung gegenüber dem Vorgänger spürbar.
Die Kamera-App bietet alle erwartbaren Funktionen, aber auch nicht mehr. Bokeh-Unschärfe im Porträtmodus, HDR/HDR+, Panorama und verschiedene Farbfilter stehen bereit. Auch Profi-Einstellungen (für ISO, Weißabgleich etc.) sind vorhanden, für jene, die gerne manuell justieren. Ein Kritikpunkt, der uns schon beim Vorgänger nervte: Im 16:9-Fotoformat zeigt der Sucher einen etwas anderen Bildausschnitt als das endgültige Foto.
Hier ein paar Außenaufnahmen, mit ansteigendem Zoom:
Videos nimmt das Shiftphone 8 mit bis zu 4K-Auflösung bei 30 Bildern pro Sekunde auf. Die Qualität der Videos ist bei genügend Licht scharf und mit flüssiger Framerate. Bei Full-HD sind auch 60 Bildern pro Sekunde möglich, was Bewegungen noch geschmeidiger wirken lässt. Zudem gibt es coole Zusatzmodi wie Slow-Motion mit bis zu 240 Bildern pro Sekunde für extreme Zeitlupen und einen Zeitraffer. In den Kameraeinstellungen lassen sich eine digitale Bildstabilisierung und Rauschunterdrückung zuschalten, was wir für Videos unbedingt empfehlen. Damit werden Laufaufnahmen oder Freihand-Videos deutlich ruhiger, wenngleich nicht gimbal-glatt.
Die Frontkamera mit 32 MP (Sony IMX616) liefert im Standard 8-MP-Fotos (ebenfalls via 4-in-1 Binning). Selfies gelingen bei gutem Licht klar und mit natürlicher Farbgebung; bei weniger Licht greift ein Display-Blitz aus. Für Videocalls reicht die Qualität absolut aus. Die Selfie-Kamera kann genau wie die Hauptkameras per Schalter hardwareseitig deaktiviert werden.
Unterm Strich ist die Kamera des Shiftphone 8 ein klarer Fortschritt im Vergleich zu früheren Shiftphones. Bei Tageslicht-Aufnahmen macht das Fotografieren richtig Spaß, dank Ultraweitwinkel ergeben sich kreative Möglichkeiten. In der Nacht und bei Video ist zwar weiterhin viel Luft nach oben. In der nachhaltigen Smartphone-Klasse braucht es den Vergleich nicht zu scheuen – weder mit dem Fairphone 5 noch mit Android-Mittelklasse-Geräten. Für echte Kamera-Enthusiasten bleibt aber die Erkenntnis: Die physikalischen Grenzen (kein OIS, kleinere Linsen) setzen Limits. Angesichts der modularen Bauweise müssen wir mit diesem Kompromiss leben.
Akku, Leistung und Speicher des Shiftphone 8
Bei Hardwareleistung und Ausdauer hat sich beim Shiftphone 8 einiges getan. Neues Herzstück ist der Qualcomm Snapdragon QCM6490, basierend auf dem Snapdragon 778G-Chipsatz. Dieser Octa-Core-Prozessor aus der Mittelklasse vereint gute Performance mit 5G-Fähigkeit und effizientem Stromverbrauch. Im Vergleich zum Snapdragon 845 des Shift 6mq ist der neue Chip vor allem in Sachen Energieeffizienz und moderner Architektur überlegen (6nm Fertigung, neuere CPU-Kerne).
In Alltags-Apps wie Messenger, Browser, YouTube und Co. reagiert das Shiftphone 8 angenehm flott. Ruckler oder lange Ladezeiten traten im Test praktisch nicht auf. Multitasking wird durch satte 12 GB LPDDR-RAM ermöglicht, ein großer Sprung von den 8 GB RAM des Vorgängers. Selbst mit vielen Apps im Hintergrund und 20 offenen Browser-Tabs blieb das Handy noch recht reaktionsschnell. Dieser üppige Arbeitsspeicher ist ein Pluspunkt im Hinblick auf zukünftige Android-Versionen und macht das Shiftphone 8 zukunftssicherer. Engpässe sind auf absehbare Zeit nicht zu erwarten.
Auch beim internen Speicher zeigt sich Shift großzügig: 256 GB in der Basisausstattung oder sogar 512 GB beim größeren Modell. Via micro-SD-Slot kann man den Speicher noch um bis zu 2 TB erweitern. In unserem Test schluckte das Shiftphone 8 eine 512 GB microSD problemlos und integrierte sie flott ins System (per Adoptable Storage kann man sie sogar dem internen Speicher zuschlagen, falls gewünscht). Diese Erweiterbarkeit ist ein echter Trumpf und unterstreicht Shifts Philosophie, den Nutzer so viel Freiheit wie möglich zu lassen.
Schauen wir auf den Akku: Hier verbaut Shift wieder seinen Universalakku, der auch im Vorgänger verwendet wird. Die Idee eines standardisierten Akkus über Gerätegrenzen hinweg ist lobenswert, so lässt sich beispielsweise ein Ersatzakku des Shift6mq weiter nutzen. Die Kapazität beträgt nur 3820 mAh, was zunächst etwas enttäuschend wirken mag, da größere und neuere Geräte häufig 4500–5000 mAh aufweisen. Tatsächlich hatte sogar das ältere Shift 6m einst 4242 mAh, bevor das Shift 6mq auf 3850 mAh herunterging. Shift erklärt nicht explizit, warum es bei ~3800 mAh bleibt, vermutlich spielen Platzbedarf für Dichtungen (IP66) und modulare Komponenten eine Rolle.
In der Praxis schlägt sich der Akku wacker: Im normalen Mischbetrieb kamen wir gut über den Tag. Nach rund 5-6 Stunden aktiver Display-Zeit mussten wir ans Laden denken, was in etwa 1,5 Tagen Nutzung entspricht. Intensivnutzer – z.B. häufige Navigation, Videostreaming oder Mobile Gaming – werden das Shiftphone 8 aber deutlich früher an die Steckdose hängen müssen.
Für solche Fälle spielt das Konzept der wechselbaren Batterie seinen großen Vorteil aus: In Sekunden kann man den leeren Akku entnehmen und einen voll geladenen Ersatzakku einsetzen. Keine Powerbank, kein Kabel nötig. Dieses Feature macht das vergleichsweise moderate Kapazitätsmaß wieder wett, zumindest für diejenigen, die bereit sind einen Zweitakku mitzuführen. Der Akkuwechsel klappt ohne Werkzeug, da die Rückschale sich dank Fingernagelkerbe leicht abheben lässt.
Beim Laden zeigt sich das Shiftphone 8 zeitgemäß und unterstützt Quick Charge 4+ und USB Power Delivery 3.0. Im Test lud das Gerät mit einem PD-fähigen 30W-Netzteil in etwa 2 Stunden von 0 auf 100 %. Das ist etwas schneller als der Vorgänger. Während des Ladevorgangs erwärmt sich das Smartphone spürbar, aber nie besorgniserregend heiß.
Neu beim Shiftphone 8 ist zudem induktives Laden (Qi). Auf einem Standard-Qi-Ladepad füllt sich der Akku kabellos, allerdings langsamer (max. ~10W, in ca. 4 Stunden voll). Schön ist, dass Shift dieses Feature integriert hat, da Fairphone z.B. bislang kein Wireless Charging bietet. Man genießt also die Freiheit, das Gerät einfach auf die Ladeschale zu legen. Das schont auf Dauer auch die USB-Buchse.
Neben Akku und Chipsatz verdient auch die bessere Konnektivität Erwähnung: Das Shiftphone 8 ist endlich ein 5G-Smartphone. Wo der Vorgänger noch auf 4G (LTE) beschränkt war, funkt das neue Modell in allen gängigen 5G-Bändern. Empfang und Datendurchsatz waren im 5G-Netz exzellent, der SAR-Wert liegt laut Hersteller bei 0,434 W/kg am Kopf und 1,343 W/kg am Körper (nicht selbst getestet).
Rückwärtskompatibel ist alles bis 2G, das extra zeitraubend für die 8.1-Version nachgerüstet wurde. Somit kann das Shiftphone 8 auch in ländlichen Gebieten oder im Ausland auf GSM zurückfallen, sofern dort überhaupt noch verfügbar. Das Dual-SIM-Tray nimmt zwei Nano-SIM-Karten auf, und zusätzlich lässt sich erstmals auch eine eSIM nutzen. Die eSIM-Funktion wird über ein optionales Modul im SIM-Slot realisiert, was gut gelöst ist, um die Modularität zu wahren. Damit ist man maximal flexibler, z.B. mit einer privaten Nummer per eSIM, einer dienstlichen per physischer SIM, plus eine microSD zur Speichererweiterung – alles gleichzeitig. Auch im Urlaub macht sich die eSIM-Funktionalität positiv bemerkbar.
Die restliche Konnektivität ist ebenfalls auf Höhe der Zeit: WLAN 6E inklusive 6 GHz-Band erlaubt schnellste Wi-Fi-Verbindungen. Im Test hing das Shiftphone 8 stabil im WLAN und schöpfte Gigabit-Speed voll aus. Bluetooth 5.2 sorgt für energiesparende und reichweitenstarke Kopplung von Zubehör (Klang via BT-Kopfhörer war synchron und störungsfrei). NFC funktioniert für kontaktloses Bezahlen und zum schnellen Pairing. GPS/GLONASS/Galileo-Empfang erwies sich als zügig und präzise, in Navigationsapps war die Position sofort gefunden. Sogar ein FM-Radio ist verbaut, das mit angeschlossenem USB-C-Headset als Antenne lokale Radiosender empfängt. Ein nettes Gimmick für Offline-Musikfans.
In Summe lässt das Shiftphone 8 in der Kategorie Akku, Performance und Speicher wenige Wünsche offen. Es ist leistungsstark genug für alle Alltagsaufgaben und dürfte dank großzügiger Ressourcen auch in einigen Jahren noch flüssig laufen. Der Akku ist nicht der Größte am Markt, doch die Kombi aus Wechselakku und schneller Ladung macht das wett. Gerade im Vergleich zum Vorgänger und manch anderem nachhaltigen Handy (Fairphone 5 mit Snapdragon 778G, Fairphone 6 mit Snapdragon 7s Gen3) muss sich das Shiftphone 8 nicht verstecken. Im Gegenteil bietet das deutsche Handy mehr RAM als die Konkurrenz und hat endlich 5G und eSIM an Bord. Damit ist das neue Shiftphone auch aus technischer Sicht bestens gerüstet, um ein langes Smartphone-Leben zu führen.
Das Shiftphone 8 als modulares Handy
Modular aufgebaute Smartphones sind auch heute noch absolute Exoten. Shift ist neben Fairphone der einzige Hersteller, der dieses Konzept konsequent verfolgt. Das Shiftphone 8 führt diese Tradition mustergültig fort. Wie schon seine Vorgänger ist das Gerät so konstruiert, dass über 13 Komponenten leicht austauschbar sind. Dazu zählen unter anderem: der Akku, das Display, die Kameramodule, der USB-C-Ladeanschluss, Lautsprecher, Vibrationseinheit, Buttons und die Hauptplatine. Im Prinzip kann man nahezu jedes Bauteil bei Bedarf ersetzen – und das mit nur einem einzigen Werkzeug, dem mitgelieferten Schraubendreher.
Im Alltag bedeutet das: Geht z.B. das Display zu Bruch, kann man es bei Bedarf selbst austauschen, anstatt das ganze Handy einschicken oder gar neu kaufen zu müssen. Ein Ersatz-Display ist im Shift-Shop erhältlich.
Tutorial: So tauscht ihr das Disply des Shift 8 aus.
Original-Ersatzteile sind direkt über den Hersteller, aber auch über Drittanbieter verfügbar. Darüber hinaus veröffentlicht Shift kostenlose Reparaturanleitungen (teils als Videos, teils im Forum) und es gibt eine aktive Community, die bei Problemen hilft. Die Reparaturexperten von iFixit haben Shiftphones in der Vergangenheit regelmäßig mit Bestnoten für Reparierbarkeit ausgezeichnet. Es spricht alles dafür, dass das Shiftphone 8 hier keine Ausnahme ist und vermutlich wieder 10 von 10 Punkten erreicht.
Selbst ohne Schraubendreher kommt man zumindest an Akku und SIM- und microSD-Karten. Die Rückabdeckung ist nur geclipst, nicht verklebt – man kann sie also auch mit dem Fingernagel öffnen. Darunter offenbart sich der wechselbare Akku und das Kartenfach (beim Entnehmen des Akkus springen die SIM-Karten sogar leicht aus ihrem Slot, um das Herausnehmen zu erleichtern).
Upcycling und Weiterverwendung
Die modulare Bauweise fördert natürlich auch Upcycling und Weiterverwendung. Shift bietet bspw. ein Upgrade-Programm an, bei dem man ältere Modelle gegen neuere eintauschen oder modular erweitern kann. Denkbar wäre etwa, dass man zukünftig das Shiftphone 8 mit verbesserten Modulen nachrüstet (z.B. eine neue Kamera in ein paar Jahren). Offiziell angekündigt ist zwar nichts dergleichen, aber allein die Möglichkeit bestünde dank des offenen Designs. Bereits jetzt kann man aber Zubehör wie den Shiftkeys (eine ansteckbare Mini-Tastatur für Smartphones) mit dem Akku des Shiftphone 8 betreiben.
Die im Vergleich fairere Herstellung des Shiftphone 8 ist ebenfalls mehr als erwähnenswert.. Der Entwurf entsteht in Deutschland (Falkenberg), die Fertigung erfolgt in China. Durch eine direkte Kontrolle kann Shift nach eigener Aussage bessere Arbeitsbedingungen gewährleisten und seine Lieferkette im Blick behalten, als das bei reiner Auftragsfertigung der Fall wäre. Zusätzlich verwendet Shift möglichst konfliktfreie Materialien (z.B. keine tantalhaltigen Kondensatoren aus Coltan, stattdessen Keramikkondensatoren) und achtet in China nach eigenen Angaben auf höhere Sozialstandards. Das sind Werte, die bei konventionellen Herstellern nicht an erster Stelle stehen.
Software und Betriebssystem des Shiftphone 8
Auf dem Shiftphone 8 läuft ab Werk ShiftOS 4.0, basierend auf dem älteren Android 14 (2023). Die Software ist wie schon beim 6mq sehr nah am puren Android gehalten, was positiv auffällt. Bloatware oder unnötige Apps gibt es nicht. Shift geht einen wohltuend minimalistischen Weg. Vorinstalliert sind im Wesentlichen nur die Google-Standardapps (falls man die G-Version nutzt) sowie ein paar nützliche Tools. Eigene Hersteller-Apps packt Shift nicht aufs Gerät. Dadurch hat man direkt nach dem Einrichten ein aufgeräumtes System ohne Ballast. Wählt man während der Erstinstallation Ecosia als Suchmaschine, lädt das Handy noch die Ecosia-App herunter.
Besonderheiten für den Datenschutz oder erweiterte Sicherheitseinstellungen konnten wir in der Software nicht entdecken. Hier könnte Shift künftig nachlegen. Denkbar wären z.B. vorinstallierte Privacy-Apps oder ein erweitertes Berechtigungsmanagement. Konkurrenz aus Deutschland wie Volla oder die /e/-Foundation setzen hier bereits Akzente (komplett Google-freie Android-Forks etc.). Shift hingegen liefert ein klassisches Android-Erlebnis, was vielen Nutzern sicherlich recht ist.
Wer voll auf Google-Dienste setzt, wird nichts vermissen: Der Google Play Store ist an Bord, ebenso Gmail, Maps, YouTube & Co. Für alle, die lieber ohne Google leben, gibt es die Variante ShiftOS-L (Light), die soweit bekannt ohne Google-Services auskommt. Diese muss man gegebenenfalls selbst flashen; Shift unterstützt jedoch ausdrücklich die Custom-ROM-Community und das Entsperren des Bootloaders. Wichtig: Weder das Installieren eines anderen Betriebssystems noch eigenhändige Reparaturen lassen die Garantie erlöschen. Hier zeigt sich Shift vorbildlich entwicklerfreundlich.
Tutorial: So richtet ihr das Shift 8 ein.
Ein Highlight des Shiftphone 8 ist die angekündigte Update-Garantie. Qualcomm selbst garantiert für den verwendeten Prozessor Support bis 2036. Shift hat angekündigt, innerhalb dieses Zeitraums alle Android-Upgrades bereitzustellen, die vom Chip-Hersteller kommen. Konkret: Sollte Qualcomm bis Android 18 oder 19 Unterstützung liefern, wird Shift diese Versionen ans Shiftphone 8 weiterreichen. Und selbst nach 2036 will man durch eigene Optimierungen noch weitere Major-Updates ermöglichen. Sicherheitsupdates sollen weit über 2036 hinaus erscheinen, heißt es. Ob diese auch tatsächlich erscheinen, wird die Zeit zeigen.
Dieses Versprechen ist in der Branche nahezu einzigartig und übertrifft sogar Fairphone. Man muss zwar realistisch abwarten, wie schnell Shift die großen Versionssprünge liefert – in der Vergangenheit dauerte es teils etwas (das Shift 6mq hing z.B. Ende 2022 noch auf Android 10 fest, ein Android-12-Update war angekündigt). Doch mit der neuen Plattform und dem Fokus auf Langlebigkeit stehen die Chancen gut, dass Shift die Updatepolitik verbessert hat.
Fazit zum Shiftphone 8: Lohnt sich das Handy?
Ja. Das Shiftphone 8 ist eines der beeindruckendsten nachhaltigen Smartphones auf dem Markt. Es richtet sich an alle, die ein möglichst faires, langlebiges und reparaturfreundliches Gerät suchen, ohne dabei auf zeitgemäße Technik verzichten zu wollen.
Gegenüber dem mittlerweile leider eingestellten Shift 6mq legt das Shiftphone 8 in fast allen Bereichen nochmal nach: 5G-Unterstützung, größerer AMOLED-Bildschirm, mehr Speicher/RAM, eine bessere Kamera, Wasserschutz nach IP66 und eine (angekündigte) zukunftssichere Software-Versorgung.
Wer viel Wert auf tauschbare Akkus und ein modulares Design legt, wird mit dem Shiftphone 8 sicher glücklich. Kleinere Abstriche gehören aber auch dazu: Die Kamera kommt bei wenig Licht schnell an Grenzen und der Prozessor ist nur Mittelklasse statt High-End. Im Alltag fallen diese Punkte aber kaum ins Gewicht. Als Handy-Alternative zum Shiftphone 8 lohnt sich ein Blick auf das Fairphone 6 (Test).























