Vor- und Nachteile von Wechselakkus

Handys mit Wechselakku: Ein seltener Anblick

Es ist noch gar nicht so lange her, da stellte sich beim Kauf eines Smartphones eine von vielen Fragen nicht: Besitzt das Handy einen wechselbaren Akku? Bei so gut wie jedem Smartphone ließ sich der Deckel einfach entfernen und die Batterie mit einem Handgriff aus dem Gerät nehmen. Bei manchen Handys gehörte ein zweiter Akku sogar gleich mit zum Lieferumfang. Ein Konzept, das bei Konsumenten gut ankam. Heute hingegen ist die Liste von neuen Handys mit Wechselakku ziemlich überschaubar.

Smartphones besitzen nun einen fest integrierten Akku, der sich nicht mal eben im Handumdrehen aus dem Gerät entfernen lässt. Von einem einfachen Ersetzen kann heute kaum noch die Rede sein. Um weiter in das Innere eines Handys zu gelangen, müssen nicht selten verklebte Teile gelöst werden. Hersteller machen auch die kleinste Reparatur mühsamer, als sie sein müsste.

Der Grund dafür ist schnell gefunden. Wer nicht mehr selbst Hand anlegen kann, der ist auf Experten angewiesen – im Idealfall natürlich solche, die vertraglich an den jeweiligen Hersteller gebunden sind. Insbesondere Apple fällt hier immer wieder negativ und konsumentenfeindlich auf, doch auch andere Produzenten möchten keine Reparatur in Eigenregie. Gerne werden hier Sicherheitsbedenken angeführt.

Das Fairphone 3 mit einfach zu wechselndem Akku.

Wechselbarer Akku im Handy: Das sind die Vor- und Nachteile

Wechselakkus bieten nicht nur Vorteile. An mancher Stelle ergibt sich tatsächlich auch ein Nachteil. Bei näherer Betrachtung stellt sich allerdings heraus, dass so mancher vermeintlicher Nachteil vielleicht den Marketingabteilungen der Handyhersteller entspringt. 

Ein gutes Beispiel dafür ist der häufiger von Herstellern wiederholte Hinweis, dass aufgrund eines Wechselakkus keine flache Bauweise möglich wäre. Fest steht allerdings, dass auch Smartphones mit Wechselakku vergleichsweise schlank ausfallen können. In der Praxis beläuft sich der Unterschied auf 1 bis 1,5 mm, die im Alltag ohne Lupe einfach keinen Unterschied machen. Insbesondere dann, wenn das Smartphone ohnehin in eine Hülle gesteckt wird, ist der vermeintliche Nachteil dahin. Wie in unserem Vergleich von Handys mit Wechselakku zu sehen ist, kommt zum Beispiel das Motorola Moto E6S auf eine Dicke von 8,5 mm. Beim Samsung Galaxy S21 mit fest integriertem Akku sind es 7,9 mm – und die Ultra-Variante des Handys kommt auf 8,9 mm.

Wasser und Staub: Doch lieber fest verbaute Akkus?

Ein anderer Nachteil lässt sich hingegen nicht wegdiskutieren. Für die Hersteller ist es tatsächlich viel einfacher, ein Smartphone vollständig staub- und wasserdicht zu gestalten, wenn nicht auf einen Wechselakku und ein einfach zu öffnendes Gehäuse geachtet werden muss. Auch der Hersteller Fairphone, der auf Wechselbatterien setzt, verweist genau auf diesen Zusammenhang: „Um ein komplett wasserdichtes Smartphone zu bauen, benötigen wir eine versiegelte Architektur. Dichtungen oder Klebstoff stellen unsere Ambitionen in Bezug auf Offenheit und Reparierbarkeit aber infrage.“

Ein weiterer Punkt bezieht sich auf die Tatsache, dass es insbesondere im Bereich von Lithium-Ionen-Akkus in den letzten Jahren eine sehr erfreuliche Entwicklung gegeben hat, was die Leistungsfähigkeit und Kapazität angeht. Der Logik folgend sind Wechselakkus heute einfach nicht mehr relevant, weil die Technik aufgeholt hat. Hierbei geht aber unter, dass es sich bei Akkus nach wie vor um ein Verschleißteil handelt, das bei Smartphones häufig als Erstes kaputtgeht. Die Reparatur lassen sich Hersteller anschließend gut bezahlen, falls die Gerätegarantie bereits abgelaufen ist. Bei Samsung liegen die Preise für einen neuen Akku bei vielen Modellen zwischen 70 und 85 Euro. Das Handy muss zudem eingeschickt werden und steht entsprechend ein paar Tage lang nicht zur Verfügung. 

Gut für die Umwelt und das Portemonnaie : Akku einfach austauschen

Der größte und gleichzeitig offensichtlichste Vorteil von Handys mit Wechselakku besteht darin, dass sich der Akku einfach austauschen lässt. Auch die modernsten in Smartphones verbauten Batterien verlieren im Laufe der Zeit an Kapazität und Leistung. Nähert sich der Akku dem Ende seines Lebenszyklus, dann wird er durch einen neuen ersetzt. Das Handy muss dazu auch nicht eingeschickt, sondern lediglich selbst geöffnet werden.

Einen Akku selbst zu ersetzen spart Geld. Bei Fairphone kostet ein Ersatz gerade einmal um die 30 Euro. Bei Gigaset ist mit Kosten von etwa 25 Euro zu rechnen. Der deutsche Hersteller Shift lässt sich die Ersatzbatterie sogar weniger als 20 Euro kosten.

Hohe Kosten für einen Akkutausch bei etablierten Herstellern führen bei Kunden nicht selten zu der Frage, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt oder doch lieber zu einem neuen Smartphone gegriffen werden soll. Die Strategie der Hersteller geht also auf – genau wie das Portemonnaie der Kunden.

Der Tauschakku für Shiftphones.

Ein weiterer Vorteil von Smartphones mit Wechselakku ist in den letzten Jahren zwar weniger wichtig geworden, sollte bei der Entscheidungsfindung aber dennoch beachtet werden. Die Kapazität heutiger Handyakkus ist deutlich höher als früher, weshalb sich ein zweiter Akku in der Tasche kaum noch lohnt. Gerade durch das Aufkommen von Powerbanks trägt so gut wie niemand mehr einen zweiten Akku mit sich herum. Mit fest verbaute Batterien wird Kunden diese Möglichkeit aber fremdbestimmt genommen.

Als kurzes Fazit: Für Kunden bieten wechselbare Akkus in Handys viele Vorteile und wenige Nachteile. Wenn es ein vollständig staub- und wasserdichtes Handy sein muss, dann führt derzeit an einem Smartphone mit fest verbautem Akku wohl kein Weg vorbei. In allen anderen Bereichen überwiegen die Vorteile. Einen Akku selbst austauschen zu können ist sehr viel weniger kostenintensiv.

Quellen:

Handys mit Wechselakku

Nicht ganz so modular, aber besser als nichts: Smartphones mit Wechselakku.

Nachhaltige Smartphones

Fairer produziert: Modulare und nachhaltige Handys im Vergleich.

Module für Fairphone & Co.

Als Ersatz oder Upgrade: Viele Module für Fairphones und Shiftphones.